Montag, 28. März 2022

Friedenslage am 28.03.2022 (14:51:04)

«Die Politik der USA war es immer, zu verhindern, dass Deutschland und
Russland enger zusammenarbeiten» - nicht wirklich treffende Überschrift
dieses Textes.
https://zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-4-vom-15-maerz-2022.html#article_1306
Langes, ausführliches Interview mit einem zeitweiligen schweizer Mitarbeiter der UN
zum Ausbruch und Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges. Sehr
lesenswert. Hier über einen Teil der Vorgeschichte des Kriegs, der in
unseren Medien praktisch nicht vorkommt:

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| Ist denn am 16. Februar etwas geschehen?
|
| Ja, an diesem Tag sehen wir eine extreme Zunahme von
| Waffenstillstandsverletzungen durch das ukrainische Militär entlang der
| Waffenstillstandslinie, der sogenannten Kontaktlinie. Es gab in den
| letzten acht Jahren immer wieder Verletzungen, aber seit dem 12. Februar
| hatten wir eine extreme Zunahme, und zwar an Explosionen besonders im
| Gebiet von Donezk und Lugansk. Das ist nur bekannt, weil alles von der
| OSZE-Mission im Donbas protokolliert wurde. Man kann diese Protokolle in
| den «Daily reports» der OSZE nachlesen.
|
| Was wollte das ukrainische Militär damit erreichen?
|
| Es handelte sich sicher um den Anfang einer Offensive gegen den
| Donbas. Als der Artilleriebeschuss immer stärker wurde, begannen die
| Behörden der beiden Republiken, die Zivilbevölkerung zu evakuieren und
| nach Russland zu bringen. Sergej Lawrow sprach in einem Interview von
| 100 000 Geflüchteten. In Russland sah man die Anzeichen einer
| grossangelegten Operation.
|
| Was waren die Folgen?
|
| Dieses Vorgehen des ukrainischen Militärs hat im Grunde genommen alles
| ausgelöst. Zu diesem Zeitpunkt war für Putin klar, dass die Ukraine eine
| Offensive gegen die beiden Republiken durchführen will. Am 15. Februar
| hatte das russische Parlament, die Duma, eine Resolution angenommen, die
| vorschlägt, die beiden Republiken anzuerkennen. Putin reagierte zunächst
| nicht darauf, doch als die Angriffe immer stärker wurden, entschied er
| sich am 21. Februar, die Forderung der parlamentarischen Resolution
| umzusetzen.
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Jede Menge Material, zusammengestellt von der Bundeszentrale für
politische Bildung
https://www.bpb.de/themen/europa/krieg-in-der-ukraine/
Bringt was, darin zu stöbern.


„Hätte der Krieg in der Ukraine verhindert werden können?"
https://www.youtube.com/watch?v=SrvmN53JzTA

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| Kasseler Friedensforum
|
| Der kriegerische Einmarsch Russlands in die Ukraine ist ein
| Völkerrechtsbruch, ein Verbrechen. Er ist nicht zu rechtfertigen. Er
| wird eine große Hypothek für die notwendige Wiederherstellung einer
| Friedensordnung in Europa sein.
|
| Dieser Krieg hätte verhindert werden können. Dazu müssen wir
| zurückblicken auf die Jahre 1989 und 1990, den 2 + 4 – Vertrag, die
| Charta von Paris, die geschlossenen Abrüstungs- und
| Rüstungskontrollverträge, aber auch auf den systematischen Vormarsch der
| NATO nach Osten, ihren völkerrechtswidrigen Krieg zur Zerstörung
| (Rest-)Jugoslawiens und den Beginn des Aufbaus einer neuen staatlichen
| Ordnung in Europa, basierend auf dem Ordnungsanspruch der NATO. Welche
| Interessen die Großmächte wirklich verfolgen, sollte Gegenstand unserer
| Diskussion sein.
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Sehr sehens- und hörenswert.




„Friedenspolitik in Kriegszeiten :Zurück auf null - Die europäische
Friedensstrategie muss neu aufgestellt werden. Abschreckung und
Kooperation gehören gleichermaßen dazu."
https://taz.de/Friedenspolitik-in-Kriegszeiten/!5841209/ Noch ein Text
aus der Friedensforschung, der zu gar nichts hilft - Aber mit deren
Fassung aus Frankfurt haben wir eh nie was anfangen können.




Sozialpsychologe Welzer warnt vor einer neuen "Ästhetik und Rhetorik des Krieges" in Deutschland
https://www.stern.de/plus/gesellschaft/ukraine-krieg---harald-welzer---nirgends-hoert-man--moment-mal---31701534.html

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| Kurz: Mich erschreckt es, wie rasend schnell ein Narrativ aktivierbar
| ist, das der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entstammt und – als hätte es
| die ganze Zeit als Untoter im mentalen Untergrund geschlummert – frisch
| aufgerufen werden kann, als seien zwischendurch nicht hundert Jahre und
| zwei Weltkriege vergangen. Als der Kanzler seine sogleich als
| "historisch" bezeichnete Rede im Bundestag hielt, in der er satte drei
| Tage nach Kriegsbeginn den kompletten turnaround der gemütlichen und
| bequemen bundesdeutschen Friedseligkeit verkündete, hätte es mich nicht
| gewundert, wenn der eine oder andere FDP-Abgeordnete gleich noch "Hurra,
| Hurra!" gerufen hätte.
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Zur Umgestaltung der politischen Kultur. - Liest man auf Twitter in der
deutschen Mil-Blase mit, scheint die Welt auf einmal von schneidigen
15jährigen Jungmännern in viel zu kurzen Hosen bevölkert zu sein, die
von /dulce et decorum est pro patria mori/ träumen, jedenfalls dann,
wenn es andere machen, aber etwas anfeuern kann man sie ja schon mal und
die die feigen Deutschen beschimpfen, die noch immer viel zu
pazifistisch sind. Aber auch junge hübsche Mädel zeigen öffentlich ihren
Unverstand. (Einige von denen feierten zu allem Überfluss auch noch die
Albright, die mit den toten irakischen Kindern, die sich gelohnt haben,
https://www.youtube.com/watch?v=xYXK7uh93Uo.)




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https://friedenslage.blogspot.com/